Filme

Gleich vorweg: bei „Filmen“ in einer Pesso-Struktur handelt es sich nicht um Videomaterial, welches gemeinsam mit dem Klienten angesehen wird. Was bei dieser Film-Intervention an einen „Film“ erinnert, ist der Umstand, dass die Klientin in erster Linie mal zusehen darf. Der Therapeut ist hier in einer etwas aktiveren Rolle und spielt mit kleinen, von der Klientin ausgewählten Gegenständen eine heilsame Szene in einer hypothetischen Vergangenheit. Der Film handelt meistens von einer Betreuungsperson des Klienten, welche als Kind vorgestellt wird und mit idealen Eltern glücklich aufwachsen kann

In Filmen wird mit Objekten gearbeitet, wobei ein Objekt meist eine reale Bezugsperson im Kindesalter symbolisiert. Doch anders als in der Realität, werden diesem Kind eine ideale Mutter oder/und ein idealer Vater zur Seite gestellt. Der Therapeut spielt mit diesen Gegenständen vor den Augen der Klientin, welche sich die Szene ansehen kann. 

So wäre beispielsweise der schutzlos im Krieg aufgewachsene 7-jährige Vater der Klientin in einem Land in Frieden aufgewachsen und hätte glücklich "Kind sein können". Zu sehen, wie der Vater hätte anders aufwachsen können, ändert zwar nichts an der realen Vergangenheit der Klientin, doch sie wird sich vielleicht bewusst, welche Rolle sie als Kind für den kriegsversehrten Vater übernommen hatte. 

Wenn Menschen in ihrer Kindheit viel Mitgefühl und Verantwortung für einen Elternteil hatten aufbringen müssen, können solche gespielte Szenen eine enorme Erleichterung für die Klienten darstellen. Das Konzept hinter dieser Intervention heisst "Holes in Roles", was besagt, dass wir als Kinder oft in Rollen schlüpfen, die Erwachsene in unserem Umfeld hätten einnehmen müssen, aber auf Grund ihrer Geschichte oder anderen Gründen nicht getan hatten. 

Copyright© Andreas Bertram (Gestaltung, Text, Fotos, Videos und Illustrationen), Zusammenarbeit mit Heinke Torpus (Videos), Dirk Stahl (Fotos), PBSP® (Foto von Al Pesso und Diana Boyen, https://pbsp.com/). Mein Schreibstil orientiert sich an der männlichen oder weiblichen Form, weitere genderfluide Formen können immer mitgedacht werden. Die Begriffe „Klient“ „Klientin“ und „zentrale Person“ werden gleichbedeutend verwendet, ebenso wie die Begriffe „Struktur“, „Therapiesitzung“ und „Beratungssitzung“. ©2026