Grundbedürfnisse
In der Pesso-Therapie wird der symbolischen Befriedigung von unbefriedigt gebliebenen Entwicklungs-Grundbedürfnissen besondere Beachtung geschenkt. Es werden die folgenden fünf Grundbedürfnisse unterschieden: Platz, Nahrung, Unterstützung, Schutz und Grenzen. Ein Grundbedürfnis enthält immer eine „konkrete“ Komponente und eine „symbolische“. Ein Kleinkind z.B. hat das Bedürfnis nach einem konkreten Platz, etwa "im Schoss der Mutter". Später im Jugendalter wird das Bedürfnis nach einem "symbolischen Platz im Herzen und in den Augen der Eltern" wichtiger.
Unterschiedliche Theorien in der Psychologie kategorisieren die Grundbedürfnisse auf ihre eigene, nützliche Art. So ist es auch bei der Pesso-Therapie. Mit dem Konzept der Grundbürfnisse "Platz, Nahrung, Unterstützung, Schutz und Grenzen". Die Auswahl mag willkürlich erscheinen, hat sich jedoch in der Praxis als sehr nützlich erwiesen. Grundbedürfnisse haben viel mit Erwartungen des Kindes an seine Umwelt zu tun, Erwartungen, dass seine Bedürfnisse ok sind und das jemand da ist, der/die sich um die Befriedigung des Bedüfnisses kümmert.
Platz: wir können uns willkommen fühlen in einer uns willkommen heissenden Welt. Bei allen Menschen ist dieser Platz nach der Zeugung die Gebärmutter. Wenn das Kind schliesslich geboren wird, benötigt es einen konkreten Platz, in der Familie, in die es hineingeworfen wurde. Es hat jedoch ebenso die Erwartung, dass es gesehen/ gespiegelt wird in den mütterlichen Augen. Wenn diese Bedürfnisse erfüllt werden, fühlt sich das Kind beheimatet in seinem Körper, in seinem Geist und zu Hause in der Welt.
Nahrung: Wir brauchen Nahrung, genährt werden, im wörtlichen Sinne und im symbolischen Sinne und wir müssen sie uns auch selbst geben können. Durch das Ansprechen des Belohnungssystem wird Lust ausgelöst, wenn z.B. Nahrung über die Mutterbrust ins Kind hinein fliesst. Wenn die Mutter dem Kind, das hungrig ist (Form), Nahrung „anbietet“ (Passform), dann entdeckt das Kind mit seinem ganzen Wesen, dass das stimmig und richtig ist. Die Leere füllt sich langsam mit etwas warmem und es entsteht Entspannung und Beruhigung im Körper des Kindes.
Unterstützung: Das Kind erwartet von seinen Eltern getragen zu werden, solange es noch nicht selbst laufen kann. Sobald es die ersten Gehversuche startet, sucht es nach Halt durch die Eltern oder anderen Bezugspersonen. Es erwartet jedoch auch emotionale Unterstützung um auch mit seiner Gefühlswelt immer wieder ins Gleichgewicht kommen zu können.
Schutz: Wenn wir als Menschen Bedrohungen ausgesetzt sind, brauchen wir irgend eine Art Schutzschild. Wörtlicher Schutz ist, wenn sich das Kind z.B. hinter dem Bein des Vaters verstecken kann, wenn es ängstlich ist. Auf der symbolischen Ebene weiss das Kind, dass die Eltern es schützen werden, wenn ihm jemand Unrecht antun will.
Grenzen: das Kind erwartet, dass seine sich „unendlich stark“ anfühlenden Bedürfnisse von den Bezugpersonen auch „gezügelt“ werden. Die Bezugspersonen begrenzen das heranwachsende Kind physisch und symbolisch mit der Haltung: „Deine Aggression, Deine Sexualität darf da sein. Deine Emotionen, Deine Bedürfnisse dürfen da sein. Doch wir lassen nicht zu, dass sie unbegrenzt ihre Macht ausüben!"